Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg.
Jesaja 53,6

Der US-Amerikaner David Powlison wurde am 14. Dezember 1949 in Honolulu (Hawaii) geboren. Als Teenager war er der Überzeugung: „Jesus ist ein wirklich guter Mensch, der sich um die Armen kümmert. Deshalb sollten auch wir gute Menschen sein, die sich um Arme kümmern.“ In seiner Highschool-Zeit beschäftigte er sich mit existenziellen Fragen wie: Was ist wirklich von Bedeutung? Wer bin ich?

David berichtet von zwei Erlebnissen, die ihn in seiner Jugendzeit bis ins Mark erschütterten: „Ich war Beifahrer in einem Auto, das einen Mann tötete, als er eine dunkle Landstraße entlangging. Ich kann sein Gesicht noch immer sehen - er drehte sich in den letzten Sekunden ins Licht der Scheinwerfer, und ich sah ihm in die Augen, bevor wir ihn überfuhren.

Und ich saß am Bett meines Großvaters, der einen schweren Schlaganfall erlitten hatte. Er war auf der Suche nach etwas, das eine Bedeutung hatte, etwas, woran er sich festhalten konnte und wovon er mir sagen konnte, dass es im Leben wichtig war. Aber alles schien vor seinen Augen zu zerbröckeln, während er sprach. Am Ende konnte er nur noch weinen. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte, saß ich auf den Stufen des Krankenhauses und weinte ebenfalls.“

Als David 20 Jahre alt war, wurde sein bester Freund und Mitbewohner Bob Christ. Die beiden tauschten regelmäßig ihre Argumente für und gegen den Glauben aus. David erinnert sich: „Ich war schrecklich stur. Ich konnte der plausiblen Logik des christlichen Glaubens folgen, aber ich wollte auf niemand angewiesen sein, der mich rettet - geschweige denn auf jemand, der mir sagt, was ich tun soll. Ich wollte selbstbestimmt leben. Heute weiß ich, dass Gott andere Vorstellungen davon hatte, wie ich leben sollte. Er war barmherzig zu mir.“

 

Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben.
Hesekiel 36,26

Eines Sonntagabends, am 31. August 1975, wurde Bob sehr persönlich, als er wieder einmal mit David sprach. Er sagte zu ihm: „David, meine Frau Diane und ich, wir haben dich wirklich lieb. Du weißt, wie sehr ich dich schätze …, aber so, wie du lebst, zerstörst du dich selbst.“

David erzählte, was dann geschah: „Ich wusste, dass er recht hatte. Gott benutzte seine Worte wie eine Granate. Ich wurde schlagartig von meiner Sündhaftigkeit, meiner Unreinheit und meinem Unglauben überführt. Es war ein Moment, in dem mein ganzes Leben vor meinen Augen vorbeizog. Ich spürte das Gewicht meiner Sündenlast. Doch die beiden Sünden, die mich am tiefsten trafen, standen nicht auf der gängigen Liste schlimmer Übertretungen. Als Existenzialist hatte ich geglaubt, das menschliche Leben müsse zwangsläufig in der Verzweiflung statt in der Freude enden. Und als jemand, der selbstbestimmt leben wollte, hatte ich nicht an die Liebe Gottes in Jesus Christus geglaubt, sondern Ihn unerbittlich abgelehnt. - Jetzt erkannte ich, dass ich in beiden Punkten falsch lag.

Einige Minuten später fragte ich: Wie kann ich Christ werden? Da forderte Bob mich auf, Gott um Gnade zu bitten. Und ich flehte Gott um Gnade an. Gott war barmherzig. Die jahrhunderte­alten Verheißungen Gottes bewahrheiteten sich: Gott rettet bereitwillig, vergibt Sünden, schafft neues Leben, schenkt seinen eigenen Geist, verspricht große Hilfe beim Gehorsam. All das tat Er an mir. Er fand mich und führte mich nach Hause. Ich wurde von der Freude und von der Liebe Jesu überrascht. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich überglücklich. Die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, waren: 

Ich bin zu Hause. Ich bin ein Christ.“

 

Dieser Elende rief, und der Herr hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn.
Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten!
Psalm 34,7Psalm 103,2

 

Am 7. Juni 2019 verstarb David Powlison im Alter von 69 Jahren an Krebs. Kurz bevor er zu seinem Retter Jesus Christus nach Hause gehen durfte, hielt er noch wertvolle Gedanken zum Umgang mit Leid fest. Er schrieb:

„Gott kommt in der Person von Jesus Christus in dein Leiden hinein. Er gibt dir keine Ratschläge aus der Ferne, sondern nimmt persönlich Anteil an deinem Leid. Er wird dich begleiten und den ganzen Weg mit dir gehen. Er wird dich auch im Augenblick des Todes tragen.

Dieses Wissen verändert die Fragen, die aus deinem Herzen aufsteigen. Dein nach innen gerichtetes Warum ich? wird leiser, du hebst deinen Blick und es entstehen neue, wunderbare Fragen wie: Herr, warum Du? Warum hast Du Dich in diese Welt des Bösen begeben? Warum wolltest Du Verlust, Schwäche, Not, Kummer und Tod ertragen? Warum hast Du das ausgerechnet für mich getan? Aber Du hast es getan. Du hast es für die Freude getan, die vor Dir lag. Du hast es aus Liebe getan.

Wenn du so fragst, kannst du aus tiefstem Herzen antworten: Ich danke Dir, mein Herr. Und schließlich wirst du bereit, so unvorstellbare Fragen zu stellen wie: Warum nicht ich? Warum nicht dies? Warum nicht jetzt? Wenn mein Glaube in gewisser Weise wie ein winziges Glühlämpchen in eine finstere Welt leuchtet? Wenn mein Leiden der Welt etwas von meinem Erlöser zeigen kann? Wenn ich das Vorrecht habe, an den Leiden Christi teilzuhaben? Wenn mein Leben zu einer Quelle der Hoffnung für andere wird? - Warum nicht ich?

 

aus "Der Herr ist nahe" Kalender - 11. bis 13. März 2024